Einem anstrengenden Missverständnis auf der Spur
- Lena & Julia
- 30. März 2020
- 2 Min. Lesezeit

In den letzten Jahren hat sich die Erziehungshaltung sehr verändert. Bindungs- und bedürfnisorientiert will man seine Kinder nun ins Leben begleiten. Mit dem Wunsch, dass sie mal selbstbewusste, selbstbestimmte, sozial und emotional intelligente Persönlichkeiten werden. Dass sie ihr Leben gestalten und glücklich sind. Ich freue mich sehr über diesen Wandel und das Ansehen eines Kindes als gleichwürdige Persönlichkeit. Eine wahrlich große Errungenschaft…
Allerdings begegnen mir jetzt öfters Familien, die frustriert und enttäuscht sind. Sie gehen auf die Bedürfnisse ihres Kindes ein, verhalten sich respektvoll ihrem Kind gegenüber und doch stellen sie dann irgendwann fest, dass es ihren Kindern trotzdem sehr schwer fällt auf die Bedürfnisse eines anderen Menschen einzugehen. Die Frustrationstoleranz der Kinder ist gering und es ist für sie herausfordernd mit ihren Gefühlen sozial verträglich umzugehen. Wenn ich mir diese Familien anschaue, sind es meist ganz wunderbare Eltern, die sehr viel für ihre Kinder geben. Gleichzeitig fällt mir eine Sache auf und ich denke, dass sich hier ein Missverständnis eingeschlichen hat. Bedürfnisorientierte Erziehung bedeutet meiner Meinung nach nicht, dass ich immer auf das eingehe, was mein Kind möchte. Dass die Wünsche erfüllt werden und sich die ganze Familie überwiegend danach richtet. Bedürfnisorientierte Erziehung beutet für mich, dass ich die Bedürfnisse meines Kindes wahrnehme und darauf eingehe (was nicht unbedingt heißt, dass ich sie umgehend erfülle - außer natürlich bei einem Baby). Gleichzeitig bin ich in Kontakt mit meinen Bedürfnissen und versuche, dass wir gute Lösungen finden, mit denen wir beide zufrieden sein können. So können die Kinder die Erfahrung machen, dass sie mit ihren Gefühlen und Bedürfnissen gesehen werden und können sich gefühlt fühlen. Sie erleben, dass sie wichtig sind. Es bedeutet aber nicht, es wird immer all das gemacht, was mein Kind grade möchte. Auch wir als Eltern nehmen unsere Gefühle und Bedürfnisse ernst und tragen die Verantwortung für unser Familienklima. Aufgrund dieser Beobachtungen und der aktuellen Situation, die ja allerhand Raum für Konflikte bietet, wollen wir zwei Dinge in den nächsten Artikeln etwas genauer anschauen. Wir glauben, dass es eine Hilfe sein kann um das Miteinander zu entspannen. Zum einen ist das die Fähigkeit Nein zu sagen inklusive heftige Gefühle oder Konflikte auszuhalten. Und zum anderen den erheblichen Einfluss des eigenen Vorbildes…bald mehr…
Übrigens sitzt Penny grade neben mir und meint, wir sollten nicht immer über Gefühle schreiben, sondern lieber mal über etwas, was man machen kann. Mal schauen, das die nächsten Tage noch mit unterbringen…
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