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Kannst du mal den Müll rausbringen?

  • Lena & Julia
  • 24. März 2020
  • 3 Min. Lesezeit

Was mich an der Gewaltfreien Kommunikation begeistert ist vor allem deren Haltung. Die vier Schritte (Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte) sind hilfreich. Gleichzeitig steht und fällt alles Methodische mit der Haltung derer, die sie anwenden. Von daher will ich zu Beginn nochmal kurz darauf eingehen. In der Gewaltfreien Kommunikation geht man davon aus, dass jeder Mensch gerne von Herzen gibt. Wir wollen alle das Leben anderer bereichern. Können wir das grade nicht tun, dann aus dem Grund, dass wir ein unerfülltes Bedürfnis haben. Wird ein Mensch gewaltsam (z.B. durch emotionale Erpressung) dazu genötigt, dass Bedürfnis eines anderen zu erfüllen, schadet das der Beziehung. Auch wenn jemand etwas tut, was er aber eigentlich nicht möchte, schadet es der Beziehung. Soweit mal zur Theorie…

Mal ein ganz simples Beispiel, was doch einiges deutlich macht. Gestern beim Kochen des Mittagessens wurde alles plötzlich ganz schön stressig. Irgendwie hatte ich mir in den Kopf gesetzt, dass ich jetzt neben dem Kochen, drei wartenden hungrigen Kindern, eben noch parallel die Küche aufräume. Alle Hände voll, selbst hungrig und mit steigendem inneren Stresspegel, rief ich dann nach Penny und fragte sie, ob sie den Müll eben schnell rausbringen kann. Penny, grade mit Lotti am Karten spielen, sagte „Nein“. Puh, da musste ich erstmal durchatmen…

Unsere Bedürfnisse sind universell und von daher ist es eigentlich recht leicht sich mit dem Bedürfnis eines Menschen zu verbinden, weil wir es selbst kennen. Das Problem liegt nicht im Bedürfnis, sondern in den Strategien, mit denen wir unsere Bedürfnisse erfüllen. Ich hatte eine ganz konkrete Vorstellung wie wir jetzt zu Ordnung kommen und wie mein Bedürfnis nach Unterstützung erfüllt werden soll. Penny muss jetzt den Müll rausbringen – und zwar sofort! Wieder etwas beruhigt konnte ich nochmal mit Penny und Lotti sprechen. Sie waren bereit für mich kurz ihr Spiel zu unterbrechen und mir Aufmerksamkeit zu schenken. Ich konnte ihnen mein Bedürfnis nach Unterstützung und Ordnung mitteilen. Gemeinsam haben wir dann eine Strategie gesucht, die mein Bedürfnis erfüllt und auch ihres nach Spiel, Spaß und Selbstbestimmung. Der Müllsack wurde von mir schonmal vor die Tür gestellt und Penny nahm ihn als wir nachmittags nach draußen gingen mit zum Müll. Außerdem bot Lotti an nach ihrem Spiel die Spülmaschine auszuräumen (was ihr irgendwie mehr Spaß macht als Tisch decken), so dass ich den Tisch decken konnte. Penny hatte noch die Idee sie könne nach dem Kartenspiel mit Fritz etwas spielen, damit ich kochen kann und den grade schlecht gelaunten Fritz nicht dauernd auf meinem Arm umhertragen muss. So wurde mein Bedürfnis erfüllt, aber eben ganz anders als ich es mir gedacht hatte.

Ich denke, dass sehr viele unserer zwischenmenschlichen Konflikte ein Streit um die gewählten Strategien ist. Wenn Theo z.B. müde und erschöpft ist, ist seine bevorzugte Strategie, dass er Süßigkeiten oder Tablet spielen möchte. Darüber könnten wir uns nun richtig streiten, was aber nicht zielführend wäre. Viel hilfreicher ist es sein Bedürfnis zu sehen bzw. mit ihm herauszufinden und dann nach neuen Strategien zu suchen wie es auch erfüllt werden kann. Wenn wir uns auf unsere Bedürfnisse oder die unserer Kinder konzentrieren, ergeben sich viele neue Möglichkeiten. Wir merken auf einmal, dass es wirkliche viele Möglichkeiten gibt ein Bedürfnis zu erfüllen. Bleiben wir bei den Strategien, dann wird schnell ein Machtkampf daraus, der der Beziehung schadet und beide frustriert zurücklässt. Für mich liegt die Kunst vor allem in der Fähigkeit mit mir selbst gut in Kontakt zu sein. Zu merken, welche Bedürfnisse grade in mir lebendig sind. Und zu lernen, sich nicht in den Strategien festzubeißen. Wenn wir merken etwas klappt nicht, eben nicht noch verbissener zu werden, sondern inne zu halten und erstmal zu gucken, was grade eigentlich los ist. Sind die Bedürfnisse klar, finden sich meiner Erfahrung nach auch Strategien sie zu erfüllen.

Also beim nächsten Mal, wenn jemand etwas nicht geben möchte und Nein sagt, mal die Bedürfnisse erforschen und neue Strategien finden….ich mache mich auch gleich mal auf die Suche. Vor mir sitzt ein weinender Fritz, der raus will, aber ohne Jacke und Strümpfe. Mal schauen, welches Bedürfnis wir finden und welche Strategie wir neu entwickeln…


 
 
 

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