Krisenstimmung
- Lena & Julia
- 22. März 2020
- 3 Min. Lesezeit

Gestern ist unsere Stimmung an einem Tiefpunkt angelangt. Nach unzähligen Fragen, ob man sich verabreden könne, ob wir auf den Spielplatz können, wann wir endlich wieder andere Menschen treffen, ob wir alleine Ostern feiern werden, unser Urlaub im Sommer stattfinden kann usw. war der Frust über unsere Situation enorm angestiegen. Von einem zu Beginn noch fragenden „Mama, magst du den Coronavirus?“ bis hin zu einem weinenden „Mama, ich wünsche mir zum Geburtstag, dass der Coronavirus kaputtgeht.“ Und auch vor mir machte diese Stimmung nicht halt. Ich konnte meinen Kindern auf all diese Fragen leider keine Antworten geben bzw. nicht die, die sie sich wünschten. Und in mir selbst waren ganz ähnliche Fragen. Auch ich vermisse es, mich mit meinen Freunden zu treffen. Auch ich will gerne mit unserer Großfamilie Ostern feiern und im Sommer in den Urlaub fahren.
Ich schätze, nach dem ersten Erschrecken, Reagieren und Position beziehen, setzt nun der Prozess ein, sich mit der gegebenen Situation auseinanderzusetzten. Und ich habe gemerkt, bevor ich meine Kinder wirklich gut begleiten kann, brauche ich zunächst selbst Empathie. Die Haltung und Methoden der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg sind mir da oft eine große Unterstützung. Und auch die Gefühlsarbeit, die ich in meiner Traumaweiterbildung kennen gelernt habe, erlebe ich als sehr hilfreich. So gelang es mir dann irgendwann meine Frustration anzunehmen und auch die anderen Gefühle zu sehen, die sich dahinter noch zeigten wie Wut, Trauer, Angst, Einsamkeit. Wie sehr häufig, wenn diese Gefühle ihren Raum bekommen haben und sein dürfen, stellt sich irgendwann ein Gefühl von Leere und Ruhe ein. Ich empfinde es immer als sehr wichtigen Punkt, denn erst jetzt ist man wirklich bereit mit der Situation umzugehen. Man ist nicht mehr getrieben z.B. von Angst oder Wut, sondern kann sich selbst beobachten und gucken, was man wirklich braucht und wie man sich diese Bedürfnisse erfüllen kann.
So konnte ich mich dann auch meinen Kindern wieder emphatischer zuwenden und ihren Frust etc. sehen und begleiten. Drei Strategien haben mir in der Situation geholfen. Und die möchte ich zur Inspitartion heute mit euch teilen:
1. (Selbst-) Emphatie, wie bereits oben beschrieben
2. Mich verbinden mit meinen Bedürfnissen
Hier waren für mich zwei Sachen relevant. Zum einen hat es mir geholfen, mir die Menschen konkret vor Augen zu führen für die ich mich grade so verhalte wie ich es tue. Meine Eltern und Schwiegereltern, die zur Risikogruppe gehören, meine Chefin, die eine transplantierte Lunge hat, zwei junge Mädchen, die ich kenne, die beide unter Mukoviszidose leiden. Natürlich letztlich für uns alle, weil ich mir für mich und alle anderen eine gute medizinische Versorgung wünsche, falls das nötig sein sollte. Das erdet mein Handeln, macht es wichtig und speziell in einem ganz konkreten Beziehungsgeschehen, personengebunden und somit nah und realer für mich.
Zum anderen ist mir klar geworden, dass ich unter anderem ein großes Bedürfnis nach Austausch, Gesellschaft, Inspiration habe. Wir haben sechs Jahre lang kitafrei gelebt. Von daher ist es mir vertraut, den Alltag alleine mit den Kindern zu gestalten. In dieser Zeit haben wir auch öfters die Tage alleine verbracht. Doch ich hatte immer die Möglichkeit meinen Tag mit anderen zu gestalten, wenn ich das will. Es bestand immer die Gelegenheit, dass ich meine Freunde treffen kann und meine Kinder gleichzeitig ihre Freunde treffen. D.h. es war ganz einfach möglich, einen Rahmen zu schaffen, in dem meine Kinder und ich gleichzeitig unsere Bedürfnisse erfüllen können. Die alten Strategien funktionieren nun erstmal eine Zeit lang nicht mehr. Und da Veränderungen, die ich nicht selbst anrege, mir nicht so lieb sind, hadere ich oft erstmal mit den Unmöglichkeiten, bevor ich mich auf etwas Neues einlassen kann. In diesem Fall geht’s dann nochmal zurück zur Selbstemphatie. Dann irgendwann kann ich es annehmen und neue Strategien entwickeln.
3. Strategien überlegen
Hier habe ich geschaut, welche Strategien dazu beitragen meine Bedürfnisse zu erfüllen. Was kann ich tun, was mich inspiriert, herausfordert und bei oder mit meinen Kindern möglich ist. Ich bin gestern tatsächlich auf eine Strategie gestoßen, die mir bisher ganz effektiv erscheint. Mal schauen, ob ich sie ab Montag umsetzten kann und sie sich bewährt…falls ja, werde wir sie hier teilen…
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