Lebendigkeitsräuber
- Lena & Julia
- 25. März 2020
- 3 Min. Lesezeit

Heute sollte unsere Weltreise weitergehen. Geplant war ein Flug nach Kanada. Wie beim letzten Mal wollten wir nach dem Frühstück starten. Mich vorher selber mit dem jeweiligen Land zu beschäftigen kostet mich einige Zeit, aber jetzt war alles bereit und es konnte losgehen. Allerdings hatten Penny und Lotti als wir gestern nachmittags draußen waren, begonnen Vögel zu spielen. Als wir ein paar Meter gelaufen waren, kam Penny die Idee und sie fing an zu fliegen. Lotti stieg fröhlich mit ein und auch der kleine Fritz wagte die ersten Flugversuche. Los ging der wilde Flug über mehrere Stunden. Die Vögel wurden gejagt, bauten sich Nester, legten Eier und die Vögelkinder schlüpften.
Gleich heute Morgen als beide wach waren, ging es weiter. Jetzt wurden drinnen Nester gebaut und Küken gebastelt. Sie waren begeistert. Irgendwann fiel es ihnen dann ein, dass wir ja heute verreisen wollten. Ich sagte ihnen, dass sie mir Bescheid geben sollten, wenn es losgehen kann. Sie spielten noch einen Moment und dann kam ihr ok.
Wir starteten unsere Reise ähnlich wie beim letzten Mal. Leider hatte Fritz heute überhaupt keine Lust sich mit uns oder irgendwie alleine zu beschäftigen. Was schon für allerlei Turbulenzen und Ablenkung sorgte. Penny und Lotti waren einige Zeit ganz interessiert dabei, bis ihnen dann aber wieder ihre frisch geschlüpften Küken einfielen. Ich merkte wie ich immer unzufriedener wurde. Auch ein leises „jetzt hab ich das alles vorbereitet, jetzt müssen wir das auch zu Ende machen“ meldete sich.
Da war ich froh, dass ich mich grade gestern nochmal mit dem Thema Bedürfnisse und Strategien auseinandergesetzt hatte. Irgendwie schien unser Plan nicht mehr zu dem zu passen, was grade unseren Bedürfnissen entsprach. Penny und Lotti waren begeistert von ihrem Spiel, Fritz wollte im Sand spielen aber nicht allein draußen sein und mich zog es auf unser neues bequemes Sofa draußen in der Sonne mit dem frisch gelieferten Buch über Begeisterung von Andre Stern. Diesmal gelang es mir innerzuhalten und unseren Plan umzuwerfen, womit es uns allen deutlich besser ging.
Doch wie oft gelingt es mir nicht so einfach. Dann bleibe ich bei dem „ich muss“/“ich müsste doch…“ in meinem Kopf hängen oder merke es gar nicht recht, was mich da eigentlich antreibt. Ich finde hier zwei Fragen hilfreich: 1. Muss ich das wirklich? Und 2. Was erfülle ich mir damit? Ich denke „müssen“ ist oft ein Lebendigkeitsräuber, denn zum einen müssen wir das meiste tatsächlich nicht und zum anderen erfüllen wir uns mit vielem unsere Bedürfnisse. Wir müssen nicht arbeiten gehen. Vermutlich wollen aber die meisten arbeiten gehen, weil sie selbstbestimmt leben, sich etwas gönnen, erfolgreich sein, anerkannt werden, etwas sinnvolles tun wollen o.ä..
Ich finde es macht einen großen Unterschied, wenn ich morgens aufstehe und mir sage, jetzt muss ich schon wieder arbeiten gehen. Oder ob ich mich mit einem meiner Bedürfnisse verbinde wie zum Beispiel etwas Sinnhaftes zu tun oder meine Familie versorgen zu wollen. „Müssen“ macht uns zum Opfer der Situation. Ich tue etwas, weil ich … (ein Bedürfnis) brauche, macht mich handlungsfähig und selbstwirksam. Grade jetzt in der Zeit, wo ja wirklich sehr viel wegfällt, bietet sich vielleicht die Chance mal zu überprüfen, was man wirklich will und warum. Denn tut man die Dinge, weil man sie will oder sich damit etwas erfüllt, macht es das eigene Leben wieder stimmig. Man wird nicht gelebt, sondern lebt selbstbestimmt und fühlt sich lebendiger.
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